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EUROPÄISCHES GARTENNETZWERK – EGHN

Gutspark Böckel

Um 1900 beauftragt Carl Koenig den Gartenarchitekten Rudolph P.C. Jürgens mit der Gestaltung des Parks. Jürgens entwickelt Blickbeziehungen, Zielpunkte und Blickfänge. Als Sohn eines Baumschulbesitzers pflanzt er exotische Gehölze und orientiert sich dabei an Kriterien wie z.B. hell vor dunkel (Laubgehölze vor Nadelgehölzen). Weiter setzt er hängende und aufstrebende Wuchsformen, klein- und großblättrige, geschlitzte und ganzrandige Arten ein.

Die Grenze zwischen Park und privatem Gartenbereich wird durch die malerische Gräfte markiert. Den Park kennzeichnet noch heute die Authentizität des Jürgensschen Entwurfs. An einigen Stellen erahnt man unter dem Gras die ehemaligen Rundwege und verwilderte Ecken bereichern den Park.

Auf dem nord-südlichen Hauptweg stehend, wandert der Blick zum markanten Eckturm, in dem der Schriftsteller Rainer Maria Rilke 1917 eine Zeit lang wohnte.

Beeindruckend sind die alten Baumgestalten, deren Habitus erst jetzt richtig zur Geltung kommt. Lauschige Plätze wie der Steintisch am früheren Tennisplatz, die Vase am ehemaligen Kreuzungspunkt der Wege oder der versteckte Sitzplatz an der Gräfte machen den Park zu einem intimen Erlebnis.

Bis ins 14. Jahrhundert lässt sich die Geschichte des Rittergutes Böckel zurückverfolgen. Die erste Burg stand, an den Resten der Gräfte noch erkennbar, nordöstlich der heutigen Anlage.

In der wasserreichen Aue erbaut Heinrich von Voß in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf der heutigen Hauptinsel das alte Herrenhaus mit zwei charakteristischen Ecktürmen. Diese und die doppelt gezogenen Wassergräben, von denen einer später zugeschüttet wird, zeugen von der Wehrhaftigkeit der Anlage.

Der Industrielle Leopold Koenig erwirbt 1874 Gut Böckel, den damals größten Grundbesitz in der Region für seinen Sohn Carl. Dieser errichtet 1884 südlich vom alten Herrenhaus ein neues Hauptgebäude in den Formen der Neorenaissance. Es wird im frühen 20. Jahrhundert soweit umgebaut, dass heute aus der Gründerzeit nur noch der Portikus, die Fensterlaibungen und die doppelläufige Treppe erhalten sind.

Nach dem Um- und Ausbau der Wohngebäude beauftragt Koenig den Hamburger Gartenarchitekten Rudolph P.C. Jürgens mit der Gestaltung der gärtnerischen Anlagen.

Nach dem Tod ihres Vaters 1927 leitet Hertha Koenig Gut Böckel fast 50 Jahre.

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Die Außenanlagen können in drei Bereiche gegliedert werden: Die Wagenvorfahrt, den malerisch von der Gräfte umgebenen Gartenbereich und den östlich davon gelegenen Park. Der Hauptblick geht von der Treppe des Wohnhauses zum Parterre und über die Gräfte in den Park. Im Parterre (“pleasure-ground”) zwischen Haus und Park, legt Jürgens ein regelmäßiges Wegenetz rechts und links der Mittelachse an, das zu Attraktionen wie Gartenhaus, Sitzplatz und Lindenhügel führt.

Jürgens schafft eine ‚schöne Landschaft’ mit Blickbeziehungen und Blickfängen, aber auch Abgrenzungen. Zu den Attraktionen gehört das 1906 errichtete, heute leider verfallene Gewächshaus.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts halten fremdländische Gehölze Einzug. Als Sohn eines Baumschulbesitzers setzt Jürgens diese in großem Umfang ein. Bei Standort und Auswahl orientiert er sich an der damals verbreiteten Pflanzung von Laubgehölzen vor Nadelgehölzen (“hell vor dunkel”), der abwechselnden Verwendung hängender und aufstrebender Wuchsformen, klein- und großblättriger, geschlitzter und ganzrandiger Arten.

Der Park wird durch einen größeren und einen kleineren Rundweg erschlossen.

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Der denkmalgeschützte Park ist ein bedeutendes Zeugnis der Gartenkunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts und ein hervorragendes Beispiel für einen weitgehend erhaltenen Gutspark in Westfalen-Lippe. Er zeichnet sich durch eine hohe Gestaltqualität und Authentizität aus.

Er beeindruckt mit seinen über 100 Jahre alten Baumgestalten, deren unterschiedlicher Habitus erst jetzt richtig zur Geltung kommt.

Auf dem nord-südlichen Hauptweg stehend, erkennt man die dominanten Sichtachsen. Diese bleiben heute meist auf den Park wie z.B. den markanten Eckturm, in dem der Schriftsteller Rainer Maria Rilke 1917 eine Zeit lang wohnte, beschränkt. Das ehemalige Wegenetz liegt jedoch, mit Ausnahme des Hauptwegs, unter Gras verborgen.

Wie intensiv sich Jürgens mit Böckel auseinander gesetzt hat, wird an den lauschigen Plätzen deutlich. So kann man heute noch den Tisch am früheren Tennisplatz im südwestlichen Teil des Parks, die Vase am ehemaligen Kreuzungspunkt der Wege oder den Sitzplatz an der Gräfte entdecken. Wie vor 100 Jahren kann man hier in lauer Sommerluft im Halbschatten sitzen, den Blick über die Gräfte schweifen lassen und dem Plätschern des Wassers lauschen, das in den Mühlenbach abfließt.

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Rauminszenierungen

Das Rittergut Böckel bietet mit seinem geometrischen Garten und dem Landschaftspark mit seinen Solitärbäumen eine romantische Atmosphäre, die viele Dichter und Denker umfing. Sie inspiriert heute noch Künstler, wie Rirkrit Tiravanja, der 2002 in seiner Rauminszenierung eine Sängerin als Skulptur die lateinischen Namen der Gehölze des Parks sprechen und singen ließ. Pflanzenskulpturen aus Text, eine Inszenierung von Bethan Huws, eine Spielburg namens “Amusement Romana” von Yutaka Sone und das essbare Lebkuchenhaus von Not Vital zeigten jeweils ganz eigene Paradiesvorstellungen im Gutspark Böckel.

Rainer Maria Rilkes “Sonette an Orpheus” dagegen waren es, die den Waliser Richard Deacon beschäftigten und offene und leichte Skulpturen entstehen ließen.

Und wie kein anderer verstehen es Ilya und Emilia Kabakov nun seit 2003, die Poesie des romantischen Ortes in ihrem Kunstwerk “Begegne deinem Engel” in der Form einer Himmelsleiter einzufangen. Die Kabakovs empfanden den Park als idealen Ort, um das utopische Projekt zu verwirklichen.

Wege durch das Land

‹Das Schönste ist meistens die Anfahrt, die gerade in Böckel außerordentlich reizvoll ist, indem sie, zwei alte Wassergürtel auf Brücken überschreitend, durch drei Vorhöfe und mehrere Thore bis in den inneren, eigentlichen Schloßhof führt, der dann gleich gegen den Park sich offen hält und, wieder über Brücken, in ihn übergeht›, so beschreibt Rainer Maria Rilke das alte Rittergut. Es ist ein Ort der Freundschaft und voller Erinnerungen, kein Museum, kein Ort der Sentimentalität, vielleicht eher einer stillen Melancholie über den Zug der Zeit, dem womöglich allein die Schönheit der Architektur, der Gärten, der Kunst Widerstand entgegensetzen kann. Hier hielt sich Rilke 1917 auf, hier führte die kunstsinnige, sozial engagierte Besitzerin, die Schriftstellerin Hertha Koenig ein offenes Haus, das so viele berühmte Gäste kannte: Frank Wedekind, Salomon Friedländer, Oskar Maria Graf, Martin Heidegger, Theodor Heuss. Literatur und Musik wurden in ihrem Münchner Salon, aber eben auch auf dem Lande, gepflegt. ‹Rilke liebte unser Land mit seiner Schwere› (Hertha Koenig), und es ist diese Melancholie, die erst in der Literatur leichter wird als eine Erinnerung und Sehnsucht. ‹Wenn jemand uns zusammenträumt – dann treffen wir uns›, schreibt die Lyrikerin Marina Zwetajewa an Rilke. Diese Träume und Begegnungen, die in der Literatur Räume und Zeiten überwinden, kommen in den Lesungen und Konzerten des Literatur- und Musikfestes ‹Wege durch das Land› an diesem Ort wieder auf den Boden. Bruno Ganz und Eva Mattes, Erika Pluhar und Hannelore Elsner, Mathieu Carriere und Martina Gedeck lasen Gedichte und Briefe von Rainer Maria Rilke, die russischen Lyriker Gennadij Ajgi, Olga Sedakova und Olga Martynova sprachen über ihre literarische Verwandtschaft zu Rilke, das Hilliard Ensemble, das Ensemble Modern sowie David Geringas und Tatjana Geringas gaben den Lesungen einen musikalischen Resonanzraum.

Gut Böckel
Rilkestraße 18
32289 Rödinghausen (Kreis Herford, NRW)
Tel: 05223-699111
E-Mail: info@gutboeckel.de
www.gutboeckel.de

Eigentümer:
Dr. Ernst Leffers

Öffnungszeiten:
Der private Park ist derzeit nur auf Anfrage unter Tel. 05223-699111
sowie im Rahmen von Veranstaltungen zu besichtigen.

Preise:
Der Park ist kostenlos zugänglich.

Kulturveranstaltungen und Aussstellungen:

  • Meet the Angel. Dauerausstellung im Park des Gutes
  • Wege durch das Land: Das ostwestfälische Musik- und Literaturfest ist auf Gut Böckel zu Gast.
  • Zahlreiche weitere Veranstaltungen im Verlaufe des Jahres

Anfragen zum Kulturprogramm über Agentur Lange, Lindenring 37, 60431 Frankfurt/Main
Tel: 069-71408941; Fax: 069-1408940

Aktuelle Informationen zum Kulturprogramm finden Sie auf der Website www.gutboeckel.de

Touristische Informationen:

  • WC: Im Rahmen der Veranstaltungen
  • Übersichtskarte und weitere Informationen über den Park: Keine
  • Beschilderung im Park und an den Pflanzen: Keine
  • Bänke im Park: Im Rahmen der Veranstaltungen
  • Durchschnittliche Aufenthaltsdauer: 45 Minuten
  • Behindertengerechter Zugang: Aufgrund der Lage des Parks ist ein Rundgang durch den Park für Menschen mit Gehbehinderungen nur über den kurzen Hauptweg möglich.

PKW:
Aus Richtung Hamburg (A1) fahren Sie auf der A1 Richtung über Bremen Richtung Osnabrück/Münster. Am Lotter Kreuz fahren Sie auf die A 30 Richtung Hannover. Weiterer Verlauf siehe Anfahrtsskizze.

Aus Richtung Berlin (A2) fahren sie auf der A2 in Richtung Hannover und weiter bis nach Bad Oeynhausen. Dort fahren Sie auf die A30 Richtung Amsterdam. Weiterer Verlauf siehe Anfahrtsskizze.

Aus dem Ruhrgebiet (A1) fahren Sie die A1 Richtung Münster / Osnabrück bis zum Lotter Kreuz. Dort fahren Sie auf die A 30 Richtung Hannover. Weiterer Verlauf siehe Anfahrtsskizze.

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Bahn:
Vom Bahnhof Bünde erreichen Sie Böckel mit einem Taxi in weniger als zehn Minuten.
Vom Bahnhof Bieren sind Sie in 10 min. Fußweg in Böckel.