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EUROPÄISCHES GARTENNETZWERK – EGHN

Liebermann-Villa am Wannsee

„Mein Schloss am See“

„Seh’n Sie sich doch mal mein „Schloß“ am See an, übermütig sieht’s nicht aus, aber ich glaube, dass es nach mir aussieht.“
Max Liebermann

Max Liebermann ließ sich 1909 am Großen Wannsee ein Landhaus im neoklassizistischen Stil durch den Architekten Paul Baumgarten (1873-1946) bauen und bettete dieses in eine architektonische Gartenlandschaft ein. Er selbst entwickelte hierfür das Grundkonzept und arbeitete es mit Alfred Lichtwark (1852-1914), dem Leiter der Hamburger Kunsthalle, zu einem modernen Garten aus.

Vor dem Haus liegt ein großzügiger Stauden-, Obst- und Gemüsegarten, den eine Lindenhochhecke begrenzt. Die Mittelachse ist auf das Haus ausgerichtet und sorgt für die Verknüpfung mit den Innenräumen.

Auf der Seeseite des Hauses öffnet eine Terrasse den Blick über üppige Blumenbeete auf das Panorama des Sees. Rechts verläuft ein gerader Weg durch einen Birkenhain bis zum Ufer, links liegen die drei langgestreckten Heckengärten.

Der Garten bot dem Künstler die entscheidenden Motive für sein Spätwerk: In über 200 Ölgemälden, Pastellen und Grafiken hielt er das für sich und seine Familie geschaffene Paradies „Mein Schloss am See“ fest.

Heute ist der Garten wiederhergestellt, so wie Max Liebermann ihn damals plante – ein Künstlergarten, komponiert mit Sinn für Farbe und Licht.

Max Liebermann (1847-1935) erwarb 1909 ein Grundstück in der Villenkolonie Alsen. In der damals noch unberührten Seenlandschaft vor den Toren Berlins baute der Architekt Paul Baumgarten (1873-1946) dort die Sommerresidenz des Malers, die auch in den Bildern Liebermanns ihre Darstellung fand. Während die umliegenden Villengärten noch in der landschaftlichen Tradition der Lenné-Meyerschen Schule des 19. Jahrhunderts angelegt wurden, sollte der von Albert Brodersen (1857-1930) gestaltete Garten zu einem eindrucksvollen Werk der neuen Gartenkunst des 20. Jahrhunderts werden.

Die Gartenanlage hat in jener Zeit, als sich die Auseinandersetzung um die stilistische Neuorientierung der deutschen Gartenkunst ihrem Höhepunkt näherte, nicht nur die reformorientierten Gestaltungsprinzipien des Architekten Alfred Messel, sondern auch die Ideen von Liebermann und seinem künstlerischen Berater Alfred Lichtwark (1852-1914) aufgenommen.

Innerhalb von zwei Jahren entstand ein moderner Garten, der den Umbruch in der damaligen Gartenkunst vom landschaftlichen zum rein architektonischen Garten sowie die Ideale der Gartenreformer, zu denen Alfred Lichtwark zählte, hervorragend widerspiegelte.

„Wenn ich hier am Ufer stehe, so will ich durch das Haus hindurch auf den Teil des Gartens sehen können, der dahinter liegt. Vor dem Haus soll eine einfache Wiese angelegt werden, so dass ich von Zimmern aus ohne Hindernis auf den See sehen kann. Und links und rechts vom Rasen will ich gerade Wege. Das ist die Hauptsache. Noch etwas, das Zimmer, das in der Achse liegt, soll der Eßraum sein. So – und nun bauen Sie“

Max Liebermann an den Architekten Alfred Messel

 

Der seeseitige Teil des Gartens bestand aus einer großen Rasenfläche, welche den Blick über den Wannsee freigab. Das an der rechten Seite des Grundstückes vorhandene Birkenwäldchen sollte auf Wunsch von Liebermann in die Gestaltung mit einbezogen werden. In seinen Gemälden tauchte es als Motiv immer wieder auf.

Die Terrasse mit ihren Beeten, erhielt eine jährlich wechselnde Bepflanzung aus Sommerblumen. Liebermann ließ rote Geranien pflanzen, die bis in den Herbst hinein einen starken Farbakzent setzten.

An der Südseite der Terrasse wurde eine Gartenbank aufgestellt, von der aus der Blick über die Blumenbeete hinweg auf den Fischotter-Brunnen von August Gaul (1869 – 1921) fiel.

Den drei Heckengärten im Norden kam in der Gesamtkonzeption des Gartens eine zentrale Rolle zu. Sie bildeten den Kern der gartenkünstlerischen Überlegungen Alfred Lichtwarks. Die aus Hainbuchen gebildeten „grünen Kammern“ sollten neugierig machen auf das, was sich hinter den Hecken verbarg.

Im ersten Heckengarten entstand ein von der Natur gebauter Architekturraum im Freien. Zwölf im Quadrat gepflanzte Linden mit geschnittenen Kronen, ergaben einen grünen Baldachin über einem quadratischen Platz.

Der mittlere Heckengarten zeichnete sich durch ein großzügiges Wegeoval mit Rasenfläche und rundem Blumenbeet aus. Kugelbäume und Schmucklilien in Kübeln akzentuierten die Wegekreuzungen. Vor den Hecken befanden sich schmale Irisrabatten. Die Gartenbank war der Lieblingsplatz von Maria, der Enkelin Max Liebermanns.

Der dritte Heckengarten wurde als Rosengarten angelegt, dessen kreuzförmige Wegeführung an die Grundrisse traditioneller Bauerngärten erinnert. Im Zentrum befand sich eine Sonnenuhr, die später durch eine achteckige Rosenlaube überwölbt wurde.

Der Vorgarten wurde von einem üppigen Blumen- und Gemüsegarten eingenommen. Auf der Höhe des Gärtnerhauses nahm der Staudengarten die gesamte Breite des Grundstückes ein. Jedes Jahr wurden hier mit den verschiedensten Sommerblumen sowie Dahlien und Stockrosen abwechslungsreiche Farbkombinationen erzielt, die den Maler zu immer neuen Gemälden inspirierten.

Der Villa wurde ein Platz mit einer, von vier runden Buchsbäumen flankierten, Rasenfläche zugeordnet. Eine Lindenhochhecke, wie sie für norddeutsche Bauerngärten typisch ist, diente als Sichtschutz. Die axiale Ausrichtung des Gartenweges auf die Villa erlaubte den idealen Blick aus der Diele in den Vorgarten und bei geöffneten Türen durch das Haus hindurch bis zum Wannsee.

Die formal klare Anlage seines Gartens spiegelt sich auch in Liebermanns Bildern wieder, wobei die Jahre am Wannsee von großer künstlerischer Produktivität geprägt waren. Die Blumenterrasse mit ihren starken Farbkontrasten bildete 1915 und 1916 die Hauptmotive. 1917 kamen Ansichten des Kohlfeldes dazu. Ab 1919 malte Liebermann auch Bilder von seiner Enkelin Maria, die er beim Spielen im Garten festhielt.

1920 nahm Max Liebermann die Berufung zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste an. 1927 wurde er Ehrenbürger der Stadt Berlin. Umso tragischer war das Schicksal der Familie nach 1933: Von den Nationalsozialisten verfemt starb Max Liebermann 1935. Seine Witwe, 1940 zum Verkauf des Hauses gezwungen, entzog sich 1943 der Deportation nach Theresienstadt durch Selbstmord.

Der Zwangsverkauf von Haus und Garten im Jahre 1940 hatte tiefgreifende Folgen für den Garten. Durch die Übernahme der Villa durch die Reichspost und ab 1945 durch die Nutzung des Krankenhauses Wannsee verschwanden die Gärten fast gänzlich. Mit dem Einzug eines Tauchclubs setzte 1972 eine einfache Pflege des fast verschwunden Gartens ein. Gegen die 1995 beschlossene Verlängerung des Pachtvertrages des Tauchclubs bis 2015 protestierte die kurz zuvor gegründete Max-Liebermann-Gesellschaft. Dieser Protest führte bei den Behörden zum Umdenken. 1995 wurde die Villa unter Denkmalschutz gestellt. 1997 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus die museale Nutzung. 2002 konnte mit der Renovierung des Gebäudes und der Rekonstruktion des Gartens begonnen werden.

Nach der Wiederherstellung der Villa und des Gartens wurde das Haus 2006 als Museum für das Publikum geöffnet.

Heute ist auch der Garten wiederhergestellt, so wie Max Liebermann ihn damals plante – ein Künstlergarten, komponiert mit Sinn für Farbe und Licht.

Grundlage für die Rekonstruktion waren Gemälde, Fotografien und Briefe, in denen sich Max Liebermann ausführlich über seine Gartenplanung äußerte. Besondere Anziehungspunkte sind heute neben den Heckengärten und dem Gemüsegarten, auch einige historische und selten gewordene Pflanzen, wie z.B. eine Tithonie (Mexikanische Sonnenblume).

Von der Terrasse aus kann der Besucher den Blick über Garten und See schweifen lassen und die besondere Atmosphäre von Max Liebermanns „Schloss am See“ genießen.

Quellen und weiterführende Literatur

Adresse: 

Liebermann-Villa am Wannsee
Colomierstraße 3
14109 Berlin

Tel.: 030-805-85 900
Email: info@liebermann-villa.de
Website: www.liebermann-villa.de

Träger: Max-Liebermann-Gesellschaft Berlin e.V.

Öffnungszeiten:
Garten und Museum:
April-September:
Täglich außer dienstags 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr

Oktober-März:
Täglich außer dienstags 11.00 bis 17.00 Uhr

An Feiertagen geöffnet. Am 24. und 31.12. geschlossen.

Führungen:
April – September:
Samstag, Sonntag und feiertags 14.00 und 16.00 Uhr. Mittwoch 14.00 Uhr
Oktober – März:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 14.00 Uhr
Gruppenführung auf Anfrage: (030) 805 85 90 15 oder per E-Mail: besucherdienst@liebermann-villa.de

Preise:
8 Euro pro Person (Sommer), 6 Euro p.P. (Winter)
4 Euro bzw. 5 Euro ermäßigter Preis
Begleitperson für Gehbehinderte (lt. Ausweis) kostenfrei
Kinder bis 14 Jahre frei
16 Euro bzw. 14 Euro Familienticket (Eltern und Kinder bis 18 Jahre)
7 Euro p.P. für Gruppen ab 8 Personen
4 Euro p.P. Führung
4,50 Euro Multimediaguide

Ausstellungen- und Veranstaltungen:
Dauerausstellung mit Gemälden des Künstlers.
Dokumentation zur Geschichte der Villa sowie thematische Sonderausstellungen zum Werk Liebermanns und seiner Zeitgenossen.
Video zur Biografie, Leben und Werk des Malers mit vielen historischen Aufnahmen.

Aktuelle Informationen und das Veranstaltungsprogramm finden Sie unter: www.liebermann-villa.de

Ein Newsletter wird auf Anfrage zugeschickt.

Touristische Informationen:

  • Shop und Kasse: Im Gärtnerhaus: Bücher, Poster, Kunstpostkarten, Leihschirme bei Regen.
  • Café: Cafe Max in der Liebermann-Villa mit sonniger Cafeterrasse mit Blick auf den Garten und den Wannsee. Im Cafe liegen Kataloge zur Ansicht aus.
  • WC: Im Museum
  • Parken: Kein eigener Parkplatz. Öffentlicher Parkplatz in 700 Meter Entfernung.
  • Bänke im Park: Ja.
  • Durchschnittliche Aufenthaltsdauer: 2 Stunden
  • Barrierefreier Zugang: Museum und Garten sind barrierefrei
  • Das Mitführen von Hunden ist nicht gestattet.

 

Weitere Informationen zum Park:

  • Beschilderung an den Pflanzen: Nein
  • Programm für Kinder: Kinder-Audio-Führung

Anfahrt mit dem PKW:
Siehe www.max-liebermann.de/

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln:
S-Bahn-Linien 1 und 7 bis S-Bahnhof Wannsee, dann Bus 114 bis zur Haltestelle „Colomierstraße“.