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EUROPÄISCHES GARTENNETZWERK – EGHN

Schlosspark Lütetsburg

Ein Landschaftsgarten als Kunstwerk und als Lebensform

„Ein uraltes Schloss am Meeresstrand;
Ein herrlicher Park im baumlosen Land; (…)

Theodor Fontane, „Lütetsburg“, 12. August 1882

Zur Poesie in Grün ließ sich nicht nur Theodor Fontane inspirieren, als er 1882 zu Gast in Lütetsburg war. Der Schlosspark, das Lebenswerk eines poetischen und kunstsinnigen Menschen, präsentiert sich besonders zur Azaleen- und Rhododendrenblüte von Mai bis Juni von seiner schönsten Seite.

Im zeitigen Frühjahr blühen Osterglocken und Narzissen als leuchtend gelbe Blütenteppiche. Die Schönheit der über 150 dendrologischen Besonderheiten offenbart sich erst auf den zweiten Blick und sie erfreuen besonders im Herbst mit ihrer prächtigen Blattfärbung.

Der Park ist ein außergewöhnliches Gartenkunstwerk und entfaltet zu jeder Jahreszeit seinen besonderen Zauber. Der englische Landschaftsgarten entstand zwischen den Jahren 1790 und 1824 im frühromantischen Stil und gehört zu den wenigen erhaltenen Beispielen dieses Typs auf dem europäischen Kontinent. Wörlitz stand hier Pate und auch der chinesische Einfluss ist heute noch spürbar.

„Ein uraltes Schloss am Meeresstrand; Ein herrlicher Park im baumlosen Land; (…)

Theodor Fontane, „Lütetsburg“, 12. August 1882

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In der Nähe der Stadt Norden in Ostfriesland liegt das Dorf Lütetsburg mit seinem Wasserschloss und dem englischen Landschaftsgarten. Er ist mit seinen 25 Hektar Bestandteil eines großen Gutsbesitzes. Das Schloss – eine Wasserburg – ist bis heute Familiensitz der gräflichen Familie zu Inn- und Knyphausen.

Die Vorburg mit ihrem Torhaus sowie der Grundriss der Gesamtanlage stammen aus der Renaissance, das Schloss, auf uralten Grundmauern stehend, wurde mehrfach zerstört und Anfang der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts durch den Fürsten Wilhelm Edzard zu Inn- und Knyphausen erbaut.

Der englische Landschaftspark wurde zwischen den Jahren 1790 und 1824 vom Reichsfreiherrn Edzard Mauritz zu Inn- und Knyphausen (1748 – 1824) angelegt. Er lässt sich ästhetisch und ideologisch als hochrangiges Gartenkunstwerk einstufen und besteht aus einer gut durchdachten Mischung von Gestaltungselementen wie Wasser, Vegetation, Bodenmodulation und Staffagen. Ob und wie aktiv der Oldenburger Hofgärtner Carl Ferdinand Bosse (1755 – 1793) an der Gestaltung mitgewirkt hat, lässt sich wissenschaftlich nicht exakt belegen.

Der Park war für den Reichsfreiherrn zu Inn- und Knyphausen ein ideeller Raum, der ganz nach ästhetischen Gesichtspunkten geplant wurde.

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Die Art der Bepflanzung wurde bei der Gestaltung nicht dem Zufall überlassen, sondern beruhte auf einer gewollten Systematik. Die Bepflanzung nach wirkungsästhetischen Kriterien sollte die Sinne des Betrachters anregen und bestimmte Stimmungen auslösen. Neben den verschiedenartigen Bäumen und Sträuchern und der Dichte ihrer Bepflanzung zählte auch die Farbe und Form des Laubes und ihre jahreszeitlich Blüte. Sogar der Geruchssinn bestimmte Knyphausens Pflanzenwahl. (nach Alberts/Kehn)

„Das mannigfaltigere Gemisch des Laubes der Blüthen, der Früchte, die verschiedene Zeit des hervorbrechens im Frühling ihres Absterbens im Herbste, besonders die Mahlerei des welkenden Laubes, stellt die angenehmsten Garten-scenen dar. ( …) Im Herbste duften ihre jungen Triebe (der Balsamtanne) an stillen lauen Abenden äusserst lieblich. (…)”

Edzard Mauritz Freiherr zu Inn- und Knyphausen (1748 – 1824) Herbst 1807

Den Reiz des Lütetsburger Schlossparks mit seinen vielen Seen und Wasserläufen machen neben seiner landschaftlichen Schönheit besonders die gut erhaltenen historischen Gartenarchitekturen aus, die im Zeitraum zwischen 1790 und 1813 entstanden. Sie sind heute wie damals wichtige Stimmungsträger der Anlage und finden eine harmonische Einbettung in ein gartenkünstlerisch ausgewogenes System natürlicher Gestaltungselemente wie Teiche, Kanäle, Vegetation und Bodenprofil.

Die Staffagen im Park – Freundschaftstempel, Nordische Kapelle, Steinpyramide, Carolinendenkmal, Bosshütte, Insel der Seeligen – waren eng mit Knyphausens Leben und seiner Werte- und Lebensanschauung verbunden, in denen Landleben, Familie, Freundschaft und Tugend hohe Werte waren.

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„Durch die Verschönerung und Erweiterung der Garten-Anlage suchte ich mir und meinen Nachfolgern den Aufenthalt auf den Gütern des Hauses angenehm und anziehender zu machen, weil die Gegenwart der Herrschaft nicht nur für die bessre Administration der Güter manchen Nutzen gewährt, sondern auch den Besitzer derselben in dem Schoos seiner Familie zurückhält und ihn in angenehmen Beschäftigungen ein Vergnügen gewährt, das andere durch kostbaren Aufwand, Spiel oder Reisen weit unvollkomner und oft mit dem Ruin ihrer Familien erkauften.“

Edzard Mauritz Freiherr zu Inn- und Knyphausen (1748 – 1824)

Trotz Umgestaltung und Erweiterungen, sowie großer Kriegsschäden blieben die Strukturen der ursprünglichen Anlage im Großen und Ganzen bis heute erhalten. Allerdings veränderte der Park durch umfangreiche Unterpflanzung mit Rhododendren und Azaleen seinen Charakter.

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Der alte Baumbestand bildet heute, geprägt durch Buchen und Eichen, seltenen Exoten aus Asien und Amerika sowie Taxus, Lorbeer und Koniferen, mit den Neupflanzungen eine harmonische Einheit.

Im Frühjahr, um die Osterzeit belegen die Narzissen große Teile des Parks mit einem gelben Teppich. Noch ehe sie verblüht sind, beginnt sich ein Band von zartfarbenen Azaleen durch den Park zu ziehen und Ende Mai bis in den Juni entfalten die Rhododendren ihre herrliche Blütenpracht. Mit Inschriften versehene Parkbänke laden zu einer besinnlichen Rast mit stimmungsvollen Ausblicken in den Park, über die kleinen Seen und durch die imposante Thuja-Allee ein. Romantische Holzbrücken verbinden die einzelnen Garteninseln miteinander.

An heißen Sommertagen spendet das dichte Laub von Buchen und Eichen kühlen Schatten und taucht im Frühherbst den Park in malerisches rötlich-gelbes Licht. Im Winter, vor allem bei Schnee, heben sich die bizarren Äste der Eichen dunkel gegen den winterlichen Himmel ab.

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Theodor Fontane besuchte Schloss Lütetsburg im Jahre 1882 und hat die sommerliche Stimmung in einem Gedicht verewigt.

Das kleine Parkcafe mit der bewachsenen Terrasse bietet zu bestimmten Zeiten Kaffee und Kuchen an.

Lütetsburg

„Ein uraltes Schloss am Meeresstrand;
Ein herrlicher Park im baumlosen Land;
Durch Dämme geschützt vor der stürmenden Flut,
Manch geräumiger Hof, manch reiches Gut,

Viel wogendes Korn und Vieh auf der Weide
Und mahlende Mühlen und schweigende Heide.
Viel Gottessegen! Wie seltenste Arten
Der Bäume Gedeihn trotz des Nordwinds im Garten,

Wie die Rosen am Schloß blühn wunderbar,
So blüht im Haus die Töchterschar.
Wie im Hofe entspringt ein klarer Quell,
In den Herzen sprudelt der Frosinn hell.

Die Jüngsten umjubeln die alte Veste,
die Großen empfangen im Saal die Gäste,
Neun Schwestern, von eigener Art eine jede,
Und doch so ähnlich in Antlitz und Rede;

Die Stirnen klar und hell die Blicke,
Und alle haben den Schalk im Genicke,
Selbständig jede und selbstlos zugleich,
Streng gegen sich, für die anderen weich.

Wer jemals hier Gastfreundschaft genoß,
Des Geist spukt um das alte Schloß.

Theodor Fontane, 12. August 1882

Die Texte wurden aus folgenden Quellen zusammengestellt:

Alberts, Birgit; Kehn, Wolfgang (1998): Der Schlossgarten zu Lütetsburg. Sonderdruck aus: Die Gartenkunst, 10. Jahrgang 1998, Heft 1. Wernersche Verlagsgesellschaft mbh, Worms. 2003

Ostfriesland Magazin 4/2007

Website Schloss Lütetsburg

Adresse:
Schlosspark Lütetsburg
Landstraße 55
26524 Lütetsburg

Tel.: 0049-4931-4254
Fax: 0049-4931-4253
 

Email: info@schlosspark-luetetsburg.de
Website: www.schlosspark-luetetsburg.de

Eigentümer: Tido Graf zu Inn- und Knyphausen

Öffnungszeiten:
Mai bis September von 08.00 bis 21.00 Uhr
Oktober bis April von 10.00 bis 17.00 Uhr

Eine Besichtigung des Schlosses ist nicht möglich.

Preise:
2,00 Euro; Jahreskarte 15 Euro
Die erhobenen Eintrittsgelder kommen der Instandhaltung und Pflege des Parks zugute.
Ein Wechselgeldautomat für Münzen befindet sich im durchgehend geöffneten Toilettenbereich des Parkcafes.

Fachkundige Führung durch den Schlosspark: www.schlosspark-luetetsburg.de

Für Hunde besteht Leinenpflicht.

Ausstellungen- und Veranstaltungen:
Aktuelle Informationen zum Kulturprogramm finden Sie unter: www.schlosspark-luetetsburg.de

Touristische Informationen:

  • Shop: ja
  • Café: Parkcafe mit Terrasse im Schlosspark (täglich 11:00 – 17:30). Das Cafe ist auch ohne Parkbesuch zugänglich.
  • WC: Im Parkcafe.
  • Parken: 1 Euro; Jahreskarte 20 Euro. Der Parkplatz liegt direkt am Park.
    Fahrradständer stehen bereit. Im Parkgelände ist Radfahren verboten.
  • Bänke im Park: ja, teilweise mit historischen Inschriften versehen.
  • Durchschnittliche Aufenthaltsdauer: 1 bis 2 Stunden.
  • Barrierefreier Zugang: Die Hauptwege sind für Menschen mit Gehbehinderung zugänglich. Rollstuhlfahrer und Kinderwagen haben durch einen separaten Eingang einen leichten Zutritt.
  • Fotorechte: Für presserelevante Foto-, Film- oder andere Aufzeichnungen ist die schriftliche Drehgenehmigung des Besitzers Voraussetzung.

Weitere Informationen zum Park:

Feiern im historischen Ambiente:
Für Trauungen, Familiefeiern und Events bieten die historischen Gebäude und der Schlosspark eine stimmungsvolle Kulisse.  www.schlosspark-luetetsburg.de

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